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Allgemeine Frage eines Betroffenen

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Frage

Sehr geehrter Dr.Dammmann,gerade habe ich einige Ihrer Anworten gelesen u. habe mich damit recht wohl gefühlt. Nun zu meinem Thema ( eine Frage hat sich noch nicht konkret gebildet): Ich mache seit ca.25 Jahren Psychotherapie ,mit mehrjährigen Unterbrechungen und denke heute oft: ich brauche keine spezielle Therapietechnik,sondern einen (oder mehrere) Menschen,der mir wohlwollend ,offen und annehmend zuhört und meinen eigenen Problemlöungsstrategien traut,der aufrichtig sein möchte und mit seinen eigenen Grenzen sorgsam umgeht und dem ich das gleiche anbieten kann . Also eigentlich
Freundschaft .

Und: meine Erfahrung hat mir gezeigt,daß nicht wenige Menschen in meiner Umgebung Probleme haben und an sich selbst zeitweise leiden ,sich auch in gewissem Sinne verletzen ( Rauchen,Schulden machen,bei schlagenden Partnern bleiben u.ä.) .

Manchmal denke ich : in gewisser Weise bin ich priviligiert,weil ich aufgrund meiner Probleme eine
Diagnose bekam und sehr viel Unterstützung ,menschlich und finanziell. Vielleicht gehört es zum Bereich "Größenwahn" ,wenn ich mich zeitweise frage ,ob ich nicht "gesünder" bin,als viele Menschen in meiner Umgebung?
Ich würde gern einmal Ihre Meinung aus der Sicht eines Experten zu diesen Überlegungen lesen -möglicherweise,weil ich seit einiger Zeit schwanke zwischen der Hoffung,endlich meine besonderen Schwierigkeiten anzunehmen als einen Teil meines Lebens (mich nicht mehr schuldig zu fühlen) und der Verzweiflung,nichts erreicht zuhaben von dem ,was ich (?) mir vom Leben erhofft hatte. Na,wenn das nicht "borderline-typisch" ist.

Antwort

Das was Sie Schreiben ist sehr gut nachzuvollziehen. Sie haben recht, dass es eine ganze Reihe von Menschen gibt, die zwar nie eine Diagnose bekommen und auch meinen keine Probleme zu haben, aber im Grunde genommen ein emotional ärmeres Leben führen oder von sich entfremdeter sind, als mancher Patient, der die Diagnose einer psychischen Störung hat. So gesehen, kann es auch eine Chance oder ein Privileg sein, durch Therapien an sich zu arbeiten und in eine intensive Beziehung treten zu können, und nicht nur eine´ Belastung. Die "Frage" mit der Sie sich innerlich beschäftigen ist eine Art Rückschau
und gleichzeitig Ausblick auf Ihr Leben, wobei Sie zwischen Hoffnung und Zuversicht über das nun erreichte und auch Trauer über das was nicht möglich war, schwanken. Dies ist nicht "Borderline" sondern Ausdruck der Entwicklung, die Sie genommen haben.

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