Allgemeine Frage eines Angehörigen
Frage
Meine Freundin ist Borderlinerin. Sie war in mehreren Therapien, die durch massive Suizidversuche dann abgebrochen worden sind. So auch jetzt. Sie hat einen Therapeuten mit dem sie sehr gut zurecht kam, was nicht immer der Fall war. Aus verschiedenen Gründen kam es jetzt wieder zu einer Krise. Sie besorgte sich wieder Tabletten und sie sagte dies auch ihrem Therapeuten, dieser nahm dies jedoch nicht ernst. Zumindest forderte er sie noch nicht mal auf, ihm die Tabletten zu geben. Es kam, wie es kommen musste, sie ging in ein Hotel und nahm die Tabeletten. Sie wurde gefunden und in die Intensivstation gebrach. Dort rief man ihren Therapeuten an, dieser ließ ihr aurichten, sie solle nächste Woche zum geplanten Termin kommen.Obwohl dieser Therapeut Psychiater am hiesigen Krankenhaus ist, hat er sie noch nicht einmal eingewiesen. Sie wurde dann am gleichen abend entlassen und torkelte nach Haus - zutiefst verletzt - in meinen Augen zu recht. Es kam wie es kommen musste: Am nächsten Tag nahm sie wieder Tabletten - über 10 gr Barbital - wieder Intensivstation, dort war sie dann über 2 Tage fixiert und wird jetzt erneut in die Psychiatrie kommen. Das Schlimme daran ist, dass sie den Therapeuten verloren hat und das sie ihn auch nicht mehr will, da er sie im Stich gelassen hat. Ich finde, das ist tatsächlich eine paradoxe Situation, durch ihre Krisen und die damit verbundenen Suizidversuche verliert sie jedesmal eine Stütze, obwohl sie gerade in dieser Situation Hilfe dringender denn je bedürfte. Und mit jedem weiteren Mal verringert sich die Motivation neues zu suchen. Wie kommt sie aus diesem Teufelskreis?
Antwort
Das Beispiel zeigt, warum es heute störungsspezifische Borderline-Therapien gibt. (Besonders die DBT von Linehan und die TFP von Clarkin, Yeomans und Kernberg). Das Problem würde nicht auftreten, wenn Ihre Freundin klare Therapievereinbarungen hätte, wie mit Tabletten, Suizidgedanken, Intoxikationen etc. umgegangen werden soll. In dem Beispiel wurde sie selbs zum Opfer der Unklarheit. Therapeut und Patient hätten klare Richtlinien gebraucht, wie mit der Information, dass sie sich "wieder Tabletten besorgt hat",umgegangen werden soll. Zum Beispiel klares Eingehen des Therapeuten auf diesen Punkt. Abgabe der Medikamente ohne wenn und aber etc. etc.







