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Gruppe gründen

Gruppengründung


Leider gibt es noch immer viel zu wenige Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen für Borderline-Betroffene oder deren Angehörigen.  Der folgende Text soll dir etwas die Unsicherheit bei dem Gedanken an eine Gründung nehmen, und selbstverständlich kannst du dich an mich wenden, wenn du Unterstützung benötigst.


Wenn du in Deiner Nähe eine Gruppe gründen möchtest, musst du dir bewusst sein, dass die Arbeit in einer Gruppe sehr verantwortungsvoll ist. Deshalb gehe nicht voreilig an das Unternehmen heran, sondern überlege dir genau, welche Ziele du mit der Selbsthilfegruppe verbindest. Es werden durchaus viele Leute Interesse daran zeigen, es wird manchmal Nerven kosten, alle unter einen Hut zu bringen und den Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder gerecht zu werden.

In den Gruppen gibt es oft hohe Fluktuationszahlen, das heißt, die Interessenten kommen manchmal nur das / die erste Mal und bleiben dann wieder weg. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen, sondern muss mit der Verantwortung wachsen und geduldig auf einzelne Mitglieder eingehen.

Gut wäre, nach einer Gründung die Arbeit für die Gruppe auf alle Mitglieder zu verteilen, so dss jeder für die Gruppe verantwortlich ist und sich niemand überfordert.

In jeder größeren Stadt gibt es sogenannte Beratungs- und Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen. Von dort bekommt man meist Räumlichkeiten vermittelt und wird von diesen Stellen bei einer Gründung in der Regel unterstützt oder steht zu mindestens beratend zur Seite. Wo es diese Beratungsstellen in den einzelnen Städten gibt, erfährt man unter http://www.nakos.de/, der bundesweiten Informationsstelle für Selbsthilfegruppen.


Wie erfahren Interessenten von der Neugründung bzw. der Gründungsidee?

Wir tragen selbstverständlich jede Gruppe oder in Gründung befindende Gruppe auf unserem Seitenabschnitt der lokalen Gruppen ein. Die Beratungs- und Kontaktstellen haben auch Übersichtskataloge, wo man sich eintragen lassen kann. Des Weiteren ist es sinnvoll, einen Flyer zu erstellen, den man in verschiedenen Einrichtungen (Arztpraxen, psychotherapeutischen Einrichtungen, psych. Kliniken oder anderen Beratungsstellen) auslegen kann. Denkt dabei immer an den Schutz eurer Persönlichkeit, gebt nur so viele Daten auf dem Flyer preis wie nötig. Meist genügt der Vorname, damit andere wissen, wen man ansprechen kann, und eine Telefonnummer. Bei vielen Kontaktstellen kann man deren Telefonnummer zur ersten Kontaktaufnahme verwenden, so bleibt man zusätzlich geschützt.

Wenn sich genügend Interessierte bei euch gemeldet haben (in der Regel reichen 5 bis 8 Interessenten), könnt ihr diese zu einem Gründungsabend einladen, wobei sich auch hier empfiehlt, eine Fachperson aus den Beratungsstellen zur Unterstützung einzuladen (oder eine andere Person, die euch zur Seite stehen kann).

Wichtig für eine funktionierende Gruppe sind bestimmte Regeln, die dann auch eingehalten werden sollten, damit die Gruppe sich nicht nach kürzester Zeit spaltet oder gar auseinanderbricht. Alle Mitglieder sollten regelmäßig an den Gruppensitzungen teilnehmen. Nur so kann mit der Zeit etwas Vertrauen unter den Mitgliedern entstehen.


Eine Selbsthilfegruppe sollte auf keinen Fall als Therapieersatz betrachtet werden, sondern vielmehr als Ergänzung und wichtiger Stützpfeiler.

Die Teilnahme an einer Gruppe besteht aus Geben und Nehmen. Jedes Mitglied sollte dabei in voller Eigenverantwortung an den Sitzungen teilnehmen. Trotzdem kann es passieren, dass durch verschiedene Umstände jemand in eine akute schwere Krise gerät. Daher empfiehlt es sich, dass jeder Einzelne mit der Gruppe einen Vertrag darüber abschließt, wie die Gruppe in einem solchen Fall regieren darf und wie Hilfe dann konkret aussehen soll. Z. B. kann man vorher festhalten und die Gruppe bevollmächtigen, dass in einem bestimmten Fall ein Krisendienst gerufen werden darf.

Intensive Gespräche über Suizidhandlungen oder parasuizidales Verhalten sollten möglichst unterdrückt werden, da sich (Borderline-typisch)einzelne Mitglieder zum Nachahmen animiert fühlen könnten. Hier wäre es günstiger die Gespräche auf etwas Konstruktives umzuleiten. Suizidandrohungen an die Gruppe sollten nicht hingenommen werden, da dies die Gruppe negativ beeinflussen könnte und weil ein Laie nur schwerlich mit der Verantwortung umgehen könnte. In diesen Fällen muss sich der Betreffende fachliche Hilfe holen und darf die Gruppe nicht mit Androhungen belasten.

Weitere Regeln (als Vorschläge):

  • Gegenseitige Akzeptanz und Offenheit sind wichtig. Was ausgesprochen wird, ist ehrlich und sollte immer als persönliche Äußerung ohne Wertung verstanden werden.
  • Jeder bringt sich mit seiner Erfahrung in die Gruppe ein; niemand versucht, jemanden für sich auszunutzen oder sich ausschließlich Hilfe suchend an andere anzulehnen (Geben und Nehmen!).
  • Was in der Gruppe besprochen wird, wird nicht weitergetragen, und über abwesende Personen sollte nicht gesprochen werden.
  • Jeder sollte gleichberechtigt genügend Zeit zum Reden bekommen; es redet nur einer zur Zeit, und man lässt ihn auch ausreden.

Zu Beginn einer Gruppensitzung ist ein “Blitzlicht” sehr hilfreich: Jedes Mitglied berichtet, wie es ihm seit dem letzten Treffen ergangen ist, wie es ihm momentan geht oder was sonst noch Wichtiges anzusprechen wäre. Dabei sollten Blitzlichter nie kommentiert werden – und erst nachdem alle Mitglieder zu Worte gekommen sind, kann man auf das eine oder andere gezielt eingehen.

Empfehlenswert ist auch, wenn zu Beginn zwei Moderatoren ernannt werden oder sich melden (jedes Mal übernehmen zwei andere Mitglieder dieses Amt), die dann auf die Gesprächsführung achten, gegebenenfalls moderat eingreifen können und in einem Krisenfall auch zum Schlichten etc. anhalten.

Wichtig ist eine zeitliche Einteilung der Gruppensitzungen: Das erste Viertel könnte man für das Blitzlicht nutzen, und das letzte Viertel zum Ausklang der Gespräche. Da die Mitglieder durch die intensiven Gespräche zum Teil sehr aufgewühlt sein können, lassen sie sich auf diese Weise wieder auf ein normales Level zurückführen. Ansonsten könnten die Gespräche von einigen als zu belastend empfunden werden, sie könnten sich mit ihrem akuten Zustand allein gelassen fühlen, wodurch sich die Symptome evtl. sogar verstärken. Den Ausklang kann man z. B. bei einer Tasse Tee oder Kaffee in lockerer Runde führen.

Auch wird es Mitglieder geben, die mit Regeln Probleme haben und diese vielleicht sogar als zusätzliche Belastung empfinden. Dennoch sollte man darauf beharren, damit die Gruppengespräche nicht in einem Chaos enden.


Alle Tipps beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen. Natürlich ist es jedem freigestellt, wie die Regeln und eine Gruppenführung ablaufen sollten. Habt ihr noch Fragen, dann könnt Ihr euch gern bei uns melden!  Damit die verschiedenen Selbsthilfegruppen sich untereinander austauschen, Hilfe suchen oder Erfahrungen weitergeben können, werden wir für die Verantwortlichen aller Gruppen eine kleine Austauschliste eröffnen. (Adresse folgt)

TinaP.



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